Zitat der Woche :
"Höre jeden Tag in dich hinein, damit du erfährst, was deine innere Stimme dir sagen will." Patrice Jeancourt

 

 

Betrachten wir die AD(H)S – Thematik aus einem naturpädagogischen / entwicklungshistorischen Blickwinkel eröffnen sich Zusammenhänge und Möglichkeiten, die Verständnis & Hoffnung schaffen.

Werfen wir einen Blick in jahrtausende alte Stammeskulturen. Schauen wir uns Jäger- und Sammlervölker an, Völker, die auf die alte Weise lebten, nomadisch, umherziehend, immer ein waches Auge und offenes Ohr habend für den Schutz des Selbst und der Gruppe gegenüber feindlichen Stämmen, wilden Tieren. Eine hohe Aufmerksamkeit für die Landschaft, das Tierverhalten, Vegetation und generell gesprochen einfach die Umgebung. Je herausragender diese Fähigkeiten waren, desto sicherer war dieses Leben, welches eben durchaus seine Gefahren mit sich brachte. Die herausragendsten dieser Menschen wurden die Anführer, die Krieger, die Kundschafter. Schnelles, impulsives und auch aggressives Verhalten ist das Motto dieser Erwählten gewesen. Und je mehr diese Attribute ausgebaut oder entwickelt waren, desto weitere Strecken konnten zurückgelegt werden, bzw. neue Gebiete erkundschaftet werden. Das klingt jetzt auch alles nach viel Gewalt, Terror, Krieg, dennoch verlief das Leben zu der Zeit letztendlich, friedvoller als heutzutage, und auch stressfreier. Doch die Aufmerksamkeit musste eben da sein, die Wahrnehmung auf einem hohen Level.

Zwischen diesen historischen Entwicklungen und dem AD(H)S besteht eine Verbindung:

Die weltweite Verteilung der Genvariante DRD 4.7 zeigt sich in der Population umso häufiger, je weiter sie ursprünglich gewandert ist. Dieser Dopaminrezeptor DRD 4.7 nun findet sich wiederum in der Gruppe der AD(H)S-Betroffenen etwa doppelt so häufig wie in der Gruppe der Nicht-Betroffenen. Interessant, oder ? Je sesshafter ein Volk war, desto überschaubarer waren die Gefahren, Ressourcen konnten geschont werden, strategische Überlegungen erplant werden – desto unwichtiger waren jene speziellen Fähigkeiten z.B. der Kundschafter.

Was passiert nun mit diesen Individuen in einer Kultur, die sich entschließt sesshaft zu werden. Was passiert mit Menschen, welche einen hohen Anteil an dem ursprünglich vorteilhaften DRD 4.7 besitzen, in einer eher monotonen reizarmen, sesshaften, leicht überschaubaren Welt ? Wenn sie in hochstrukturierten Modellen sich zurechtfinden müssen ? Stundenlang in der Schule sitzen müssen ? Wenn sie nur noch auf einem kleinen Fleckchen Erde klarkommen müssen ? Die Stimulis dieser unserer Welt sind sich ständig wiederholend.

Man stumpft ab. Man schaltet ab. Oder man dreht hohl. Oder beides. Evolutionsbiologisch einst ein Riesenvorteil in einer schnell wechselnden Umgebung, heute ein Problem in unserer monotonen Gesellschaft. Wie gesagt, natürlich haben wir hierzulande Reize mehr als genug, nur eben andere. Stumpfe. Monotone. Leblose. Künstliche. Und wie lange lebten wir ein Leben draußen, nicht unbedingt nur als Jäger und Sammler, sondern einfach in und mit der Natur. Verglichen damit sind es nur ein paar Augenblicke in unserer heutigen Welt. Die Natur ist in uns, ja, wir sind Natur. Das zu verstehen ist durch unsere 4 Wände nicht immer so einfach, gegenwärtig, fühlbar und offensichtlich.

Das bedeutet, dass AD(H)S-ler eine genetische Veranlagung haben können auf unseren modernen Alttag zappelig zu reagieren.

Diese Menschen finden oftmals keinen sinnvollen Platz, an dem sie ihre Fähigkeiten erfolgreich einsetzen können – diese „Jobs“ wurden vor langer Zeit wegrationalisiert und hinwegoptimiert. Der Fortschritt, der uns die Last abnimmt mit diesen Fähigkeiten leben zu MÜSSEN hat letztendlich dazu geführt, dass uns vielfach die Möglichkeit genommen wird mit ihnen leben zu KÖNNEN.

Vielfach, aber nicht ganz und gar !

Auch heute noch besteht die Möglichkeit in Teilbereichen unseres Lebens naturnah zu leben und zu agieren.

Kinder und Jugendliche mit AD(H)S, welche in den vergangenen Jahren in Natur- und Wildnisschulen naturnah begleitet wurden und auch heute noch werden, finden eine Art Erfüllung in den vielfältigen Wahrnehmungsübungen, welche indigenen Völkern entlehnt wurden. Ihr Kopf kann da sein, wo er sich wohl fühlt. Ihr Bedürfnis ihre Fähigkeiten erfolgreich leben zu können wird gestillt, wodurch sie in ihrem „restlichen“ Leben gesättigt sich selber leben können, mehr individuelle Lebensqualität genießen können. Dadurch, dass ihre Fähigkeiten & Bedürfnisse einen Platz bekommen haben, brauchen sie nicht stets mit brodelnden Bedürfnissen im modernen Alltag unterwegs zu sein. Eine Wohltat, nicht nur für sie selbst !

Um diesen Schritt zu gehen braucht es professionelle Unterstützung – denn sich einfach eine gewisse Zeit draußen aufzuhalten ist schon ganz gut. Um sich aber in dem (relativen) bisschen Zeit erfolgreich mit der Natur wieder zu verbinden und damit neuronale Verbindungen im Gehirn zu schaffen, braucht es sog. Booster, also Verstärker. Verstärker in diesem Gebiet sind beispielsweise Wahrnehmungsübungen. Zudem soll die NaturZeit „natürlich“ Spaß machen, Neugier auf mehr bereiten und auch eine gewisse Grenzerfahrung beinhalten.

In Kombination mit anderen einflussnehmenden Möglichkeiten, wie z.B. über die Ernährung ist eine 80% ige „Verbesserungschance“ absolut realistisch, auch unsere Erfahrungen bestätigen dies !

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