Zitat der Woche :
"Höre jeden Tag in dich hinein, damit du erfährst, was deine innere Stimme dir sagen will." Patrice Jeancourt

 

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation ist kein starres Sprachgerüst, dass DIE neue Methode zu erfolgreicher Konversation bereithält. Vielmehr ist es so, dass Marschall B. Rosenberg (der Begründer dieses Konzeptes) seine gesamte Lebenszeit darauf verwendet hat 2 für ihn grundlegenden Fragen nachzugehen, zusammenzutragen wie das Ganze in jeden Alltag übertragen werden kann.

“Was geschieht genau, wenn wir die Verbindung zu unserer einfühlsamen Natur verlieren und uns schließlich gewalttätig und ausbeuterisch verhalten? Und umgekehrt, was macht es manchen Menschen möglich, selbst unter den schwersten Bedingungen mit ihrem einfühlsamen Wesen in Kontakt zu bleiben?”

Er war konsequent am Ausprobieren und Anwenden – im Umgang mit sich selbst, seiner eigenen Familie und den Menschen mit denen er gearbeitet hat. Er war in sämtlichen Bereichen tätig und hat die verschiedensten Grenzbereiche durchschritten. Hat mit Polizisten, Straftätern, Bürgerrechtsaktivisten, Vergewaltigungsopfern, in Kriegsgebieten, mit Straßengangs, Schülern, Lehrern, Paaren, Eltern, Juristen, mit dem Militär, Kirchenvertretern, Regierungsmitgliedern u.v.m. in über 60 Ländern gearbeitet.

Hier vereinen sich viele Ansätze aus diversen anderen Bereichen, wie z.B. dem Buddhismus, dem Yoga, der Systemik u.v.a. zu einem schlüssigen Ganzen, das bei aller enthaltenen Philosophie noch so bodenständig bleibt, dass man auch anhand der von Rosenberg selbst gern verwendeten Praxisbeispiele immer wieder ins Schmunzeln kommt…

„Meine Frau rief [heute morgen um 7 Uhr] an und stellte mir eine dieser Fragen, die man in einer Beziehung zu keiner Tageszeit vertragen kann, schon gar nicht morgens um 7 Uhr, wenn man keinen Rechtsanwalt bei sich hat. Was sagte sie nun morgens um 7 Uhr in der Frühe? „Hab ich dich aufgeweckt?“ Das war nicht die schlimme Frage. Sie sagte: „Ich habe eine sehr wichtige Frage, bin ich attraktiv ?“ [Gelächter im Seminar]. Ich hasse solche Fragen. Das war wie damals, als ich nach Hause kam, nachdem ich ziemlich lange unterwegs war, und sie fragte mich: „Siehst du irgendeine Veränderung im Haus ?“ Ich hasse solche Fragen. Ich schaute und schaute: „Nein“. Sie hatte das ganze Haus gestrichen [Gelächter im Seminar].“ Zitat aus “Intime Beziehungen – Ein Workshop mit Dr. Marshall B. Rosenberg 1992 Kalifornien”, S.1

Es gibt unzählbare Möglichkeiten von Blickwinkeln, die einen in ein und derselben Situation alle möglichen “Wahrheiten” sehen lassen kann. Je nachdem welchen Fokus ich habe, sei es durch einen konkreten Hinweis (der Hinweis “an den Wänden” wäre hilfreicher als “im Haus”) , durch eine Assoziation oder einfach nur durch mein gängiges Muster, die Dinge um mich herum zu filtern, ist die Wahrscheinlichkeit relativ gering gleich im ersten Anlauf tatsächlich auch genau DAS zu sehen, worum es meinem Gesprächspartner geht.

Und – Hand aufs Herz – manchmal wollen wir es auch nicht sehen.

Und zwar immer dann, wenn wir (bewusst oder unbewusst) die Sorge haben, dass durch das Verständnis der Weltsicht des Anderen die eigene nicht mehr gültig ist.

Das ist ein Dilemma, denn damit sind wir mitten in einem Konflikt indem es nur einen Gewinner geben kann.

Die Haltung der GfK entschärft dieses Dilemma gänzlich, denn sie arbeitet genau damit, dass es viele Sichtweisen (Interpretationen) zu einem Sachverhalt (Beobachtung) geben kann. Und dass dies zudem noch sehr wertvoll ist, weil sie authentische und lebensdienliche Aussagen über mich und meinen Gesprächspartner liefert. Denn dass ich die Dinge so oder anders wahrnehme liegt an meinem Interpretationsmuster. Will ich, dass es mir gut geht, ist es erforderlich dieses Muster zu erkennen zu entschlüsseln und damit umgehen zu lernen. So kann ich meine Welt erleben wie ich sie erlebe ohne in Not zu kommen, wenn mein Gegenüber alles ganz anders sieht. Ein wahrer Segen ! Denn genau an diesem Punkt – an dem normal jeder Austausch in einen Streit über die Inhalte losgehen würde kann nun stattdessen authentische und bereichernde Begegnung stattfinden.

Auf einmal stehen Gefühle und Bedürfnisse im Zentrum des Austausches, man erfährt mit welchen Lieblingsstrategien man selbst dazu neigt sich welche Bedürfnisse zu erfüllen, und wie diese wiederum beim Gesprächspartner miteinander verbunden sind. So klärt sich im Verlauf eines Gespräches erstmal, um was es einem selbst denn eigentlich geht. Dabei können Gesprächspartner oft unglaublich hilfreich sein. Denn da wir nicht von klein auf gewöhnt sind, selbst unentwegt so zu denken braucht es manches mal schon eine ordentliche Portion Detektivarbeit um herauszukramen, worum es eigentlich geht.

“Bin ich attraktiv ?” Da kann so vieles mit verbunden sein ! Vielleicht fühle ich mich grad einsam und sehne mich nach Nähe. In dem Glauben dass attraktiv zu sein die Wahrscheinlichkeit Nähe über körperliche Anziehung schafft, würde meine eigentliche Frage lauten : “Ich fühl mich grad einsam – magst du Zeit mit mir verbringen ?”. Vielleicht suche ich grad aber nur nach einer inhaltlichen Orientierung, weil meine beste Freundin gesagt hat, sie findet ich hätte zu viel zugenommen. Natürlich sind diese Beispiele sehr oberflächlich angerissen. Sie sollen lediglich verdeutlichen, dass DAS um was es uns eigentlich geht meistens UNTER den Inhalten lauert, über die wir uns gewöhnlich austauschen. Wie der berühmtberüchtigte Unter-Wasser-Anteil eines Eisberges.

Lassen wir uns auf das Abenteuer ein erkennen zu wollen um was es uns tatsächlich geht und was unsere Mitmenschen im Grunde bewegt bekommt die Verbindung zu uns selbst auf einmal eine viel greifbarere Qualität, wird das Miteinander mit unseren Mitmenschen eine bereichernde Expedition und das Leben selbst bunter, ungefährlicher, freier und bereichernder.

In dem verwendeten Textbeispiel von Rosenberg versuchte er es zunächst einmal mit einer rein inhaltlichen Antwort, um auszuloten, ob da noch mehr im Gespräch lag, als der Inhalt, der für ihn zu diesem Augenblick ersichtlich war:

“”Manchmal ja, manchmal nein, kann ich jetzt wieder ins Bett gehen ?” [Gelächter] Das mochte sie, Gott sei Dank, Gott sei Dank.”

Rosenberg hatte das Glück, dass seine Frau an jenem Morgen wohl so gut mit sich verbunden war, dass sie aus allem was sie wirklich bewegte eine reine inhaltliche Frage stellen konnte, deren Antwort ihr in ihrem Prozeß weiterhalf, so dass sie keinen andauernden empathischen Zuhörer brauchte um nach ihrem Eisberg zu tauchen. Wenn Kommunikation gelingt braucht es manchmal auch nur noch sehr wenig oder gar keine Worte mehr :)

Erleben Sie in unseren GfK-Angeboten an eigenen Beispielen wie befreiend diese authentische Art zu kommunizieren ist ! Wir ermöglichen Ihnen stets greifbare Lernerfahrung durch hohe Praxisanteile und nur so viel Theorie wie nötig !

Ich freue mich auf eine solche Begegnung mit Ihnen ! Reyhaneh Redlich

 

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